Archiv der Kategorie 'Soziale bzw. linke Zentren'

Solidarität mit dem Café Irrlicht! Gemeinsame Zugfahrt

Demo-Aufruf „Linke Strukturen aufbauen und verteidigen“ für den 23. Juli in Schopfheim

Irrlicht

Das seit 1984 in Schopfheim bestehende Autonome Jugendzentrum Café Irrlicht ist immer noch von der Schließung bedroht.
Im März 2011 reichte die SPD-Fraktion im Gemeinderat einen Antrag auf Schließung ein, von dem wir nur durch einen Artikel in der Badischen Zeitung erfuhren. Wir denken, dass die in dem Antrag gegen das Irrlicht erhobenen Vorwürfe vorgeschoben sind, um das Projekt dicht zu machen oder zumindest seinen selbstverwalteten Charakter zu zerstören. Aufgrund des heftigen Widerstandes der Irrlichter und aus der Schopfheimer Bevölkerung wurde die Abstimmung des Antrags bis auf Weiteres verschoben. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die SPD-Fraktion, auch aufgrund der damals bevorstehenden Landtagswahlen, kalte Füße bekam. Seitdem befinden wir uns in einem unerträglichen Schwebezustand: wir wissen nicht, ob sich dringend notwendige Renovierungsarbeiten noch lohnen und haben keine Planungssicherheit für Konzerte, wenn es nach wie vor möglich ist, dass wir bald auf der Strasse stehen.
Derweil reiben sich die Nazis in der Region die Hände und ätzen schon, dass im Irrlicht bald die Lichter ausgehen würden. In Südbaden bestehen seit längerem aktive und militante Nazistrukturen, die sich um die Jugendorganisation der NPD und der sogenannten „Aktionsgruppe Lörrach“ organisieren. Des Öfteren gab es Angriffe auf das Café Irrlicht und vermeintliche Antifaschisten. Aus diesem Umfeld stammt auch der Angreifer auf die Moschee in Rheinfelden. Beim Gründer der lokalen Strukturen Thomas Baumann aus Weil am Rhein wurden nach einem Hinweis aus Antifastrukturen bei einer Hausdurchsuchung Sprengstoff und ein schweizer Sturmgewehr gefunden. Der Verdacht liegt nahe, dass linke Zentren angegriffen werden sollten. Die Feindschaft der Nazis ist nicht zufällig, denn im Café Irrlicht wird seit Jahren kontinuierlich antifaschistisch und antirassistisch gearbeitet. Das heißt konkret, dass Nazis im Irrlicht nichts zu suchen haben und stetig über Naziumtriebe aufgeklärt wird. Viele der im Irrlicht auftretenden Bands vermitteln in ihren Texten klare Botschaften gegen Rassisten und Nazis.
Das Irrlicht nur wegen der antifaschistischen Tätigkeit für schützenswert zu erachten wäre aber viel zu kurz gedacht, denn das Irrlicht ist noch viel mehr. Es ist ein Anlaufpunkt für Jugendliche, in dem sie sich ohne Konsumzwang selbst verwirklichen können. Entscheidungen werden kollektiv getroffen und es wird gelernt Verantwortung zu tragen. Gerade für junge Menschen wie uns sind dies wichtige und unersetzliche Erfahrungen. All unser Herzblut hängt an diesem Projekt, das wir über so viele Jahre aufgebaut und erhalten haben. Das Irrlicht ist notwendige Ergänzung zu anderen wenigen Angeboten, die Schopfheim in der Jugendarbeit zu bieten hat. Viele Leute bleiben weiterhin dem Irrlicht treu, auch wenn sie nach ihrer Schulzeit in die nächst gelegenen großen Städte ziehen, und fahren nahezu jedes Wochenende nach Schopfheim, um das Kulturangebot zu nutzen. Würde das Irrlicht dichtgemacht werden, würde auch eine Einrichtung wegfallen, die viele Jugendliche in der Region hält.
Zeitgleich zur Demonstration findet das traditionsreiche und überregional bekannte Holzrockfestival statt. Das Festival nutzt das Irrlicht als unverzichtbare Infrastruktur. Letztes Jahr kämpften die Organisatoren um den Erhalt der Bühne und renovierten diese gemäß Gemeinderatsbeschluss in Eigenregie. Würde das Irrlicht dicht gemacht werden, wäre damit der Gemeinderatsbeschluss ad absurdum geführt, da es dann zwar eine funktionsfähige TÜV-geprüfte Bühne geben würde, aber kein umsetzbares Festival mehr.
Egal wie der Beschluss für uns ausfällt – wir werden eine Demonstration durchführen. Entweder um uns über einen Sinneswandel zu freuen oder um unserem Unmut Ausdruck zu verleihen.

Quelle

Wir werden am Samstag, den 23.07., gemeinsam nach Schopfheim zur Demonstration fahren.
Dazu treffen wir uns um 9:15 in Achern (Gleis 3, Abfahrt: 9:42 Uhr) und Bühl (Gleis 2, Abfahrt: 9:37) auf dem jeweiligen Gleis.